Roberto Bolaño: Lumpenroman III

Bolano (4)

Das Motto zum Vergleich:  Französisch (Original Artaud), Spanisch (Original Bolaño) und die deutsche Übersetzung

Toute l´écriture est de la cochonnerie.
Les gens qui sortent du vague pour essayer de
préciser quoi que ce soit de ce qui se passe dans leur
pensée, sont des cochons.
Toute la gent littéraire est cochonne, et spécialement
celle de ce temps-ci.

Toda escritura es una marranada.
Las personas que salen de la nada
intentando precisar cualquier cosa que
pasa por su cabeza, son unos cerdos.
Todos los escritores son unos
cerdos. Especialmente los de ahora.

Alles Geschriebene ist Schweinerei.
Die Leute, die das Unbestimmte verlassen, um zu
versuchen, irgendetwas von dem, was in ihrem Geist
vorgeht, zu präzisieren, sind Schweine.
Das ganze Literatenvolk ist schweinisch, und
besonders dasjenige dieser Zeit.

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Ich habe ja schon einiges zu dem Motto gesagt, dem ich nichts Vages mehr hinzufügen möchte. Ein Zitat aus “Die Nervenwaage” von Antonin Artaud finde ich jedoch ausgezeichnet, um den Augenblick der Inspiration zu beschreiben, wie er vielleicht bei Bolaño dann zu seinem ganz eigenen Erzählfluss, seinem Bolaño-Sound wird:

Es gilt zu begreifen, dass aller Intellekt nichts als eine ungeheure Eventualität ist und dass man ihn verlieren kann, nicht wie ein Irrer, der tot ist, sondern wie ein Lebender, der im Leben steht und die Anziehungskraft und den Atem (des Intellekts, nicht des Lebens) auf sich spürt.
Der Kitzel des Intellekts und die jähe Verwirrung der Körperteile.
Die Worte auf halbem Weg zum Intellekt.
Diese Möglichkeit, rückwärts zu denken und plötzlich sein Denken zu schmähen.
Dieser Dialog im Denken,
Das Eingesaugtwerden, der Bruch mit allem.
Und plötzlich dieser Wasserfaden über einen Vulkan; der winzige verlangsamte Sturz des Geistes.”

(Antonin Artaud: Die Nervenwaage. Le Pèse-Nerfs. Übers. v. Gerd Henninger. Berlin 1961)

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