Mann träumt / Frau denkt

man_frau 
Mit einer resignativen Traurigkeit in der Stimme sagte er:

„Du willst mit dem Kopf lieben, vielleicht können manche Frauen gar nicht mehr anders. Sie machen eine Rechnung auf, was ihnen die Männer bieten könnten, was von ihnen alles zum eigenen Besitz würde. Aber ich glaube, mit dem Kopf liebt man nicht.“

Ein entwaffnendes Lächeln spielte um ihren Mund, als sie erwiderte:

„Ach, du bist einfach nicht realistisch, ein hoffnungsloser Fall, ein Träumer!“

Er antwortete etwas gereizt und versuchte sich zu behaupten:

„Aber ist Liebe nicht letztlich immer ein hoffnungsloser Traum? Fällt es uns nicht deshalb so schwer wirklich zu lieben, weil wir uns selbst vergessen müssten? Wir sind nicht hoffnungslose Träumer, wir sind hoffnungslose Egoisten. Meist scheinen wir bei unserem Kampf um etwas gar nicht zu merken, dass wir nur verlieren können. Unsere Gefühle sind das erste, was auf der Strecke bleibt, wenn wir anfangen, sie in ein rationales Korsett zu zwingen. Aber vielleicht hast du auch Recht. Träume dauern wohl nur eine Nacht, obwohl sie andererseits auch so lange halten können, wie man an ihnen festhält.“

Sie antwortete gelangweilt:

„Meinst du wirklich, eine Beziehung ließe sich auf einen Traum aufbauen. Solange man ihn zusammen träumt, mag das gehen, aber im alltäglichen Leben wirst du dich auch gegeneinander behaupten müssen. Der Traum wird für die meisten dann eher zum Alptraum.“

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