Büchergilde Gutenberg Heft 4/2010

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Heute mache ich Werbung, für Bücher, für was denn sonst. Haben sie schon mal Werbung für Bücher in den Werbeblöcken des Fernsehens gesehen. Vermutlich selten oder gar nicht. Dafür gibt es Kultursendungen wie “Scheck schmeißt weck” (ARD, Druckfrisch) oder “Die Vorleser” (ZDF). Selbst Verlage halten nichts von diesen Sendeplätzen, zu teuer, oder ein Buch ist nicht das Produkt oder die Ware, für die man an dieser Stelle, im Medium Fernsehen, Aufmerksamkeit erringen könnte. Deshalb werbe ich ja auch jetzt hier, wo es ohnehin niemand liest. Das klingt doch logisch, oder? Ach, sie haben keine Televisions-Einrichtung, aber einen Computer, da ist mein Blogbeitrag ja doch nicht umsonst. Ehrlich gesagt, eigentlich ist mir heute mehr nach dem Satz

Soll doch die Nacht
Mich umhüllen
Mit ihrem Leichentuch
Eines traumlosen Schlafs

zumute, aber ich wollte ja, richtig, die Buchgemeinschaft Büchergilde und ihre Bücher empfehlen. Ich bin mittlerweile fast 20 Jahre Mitglied in der Büchergilde Gutenberg. Die einzige Verpflichtung, die man eingeht, ist es, jeweils ein Buch oder einen anderen Artikel wie Musik-CD oder Film-DVD oder Kunstdrucke usw. einmal im Quartal zu kaufen, also vier Bücher im Jahr. Ich mache jetzt einfach mal einen Streifzug durch das neueste Heft 4/2010. Auf den ersten Seiten gibt es einen Überblick der Neuerscheinungen. Gleich ein illustriertes Buch fällt mir ins Auge:

Flaneure

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Flaneure. Begegnungen auf dem Trottoir. Eine Anthologie mit Kurzgeschichten und Romanauszügen großer Schriftsteller, die “ausgewiesene Flaneure” waren wie Baudelaire, Walter Benjamin, Siegfried Kracauer usw. Könnte interessant sein…

Als nächstes entdecke ich für die Psycho-Krimi-Leser Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus. Er wird als David Lynch der deutschsprachigen Erzähler bezeichnet. Sein Roman “Die Süsse des Lebens” liegt ungelesen auf meinem Schreibtisch, ein Hinweis der Dame mit den Widerworten.

Dann kommt Dieter Wellershoff: “Der Himmel ist kein Ort”, habe ich schon gelesen und besprochen. Ebenso schon gelesen und empfohlen, Rüdiger Safranski: “Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosophie”. Vicki Baum: “Menschen im Hotel”, wiederum ein illustriertes Buch, würde ich mir schon wegen der Illustrationen kaufen, die eine ganze Seite des Büchergilde-Magazins verschönern. Ich gebe es zu, manche Bücher haben auch schon in den zurückliegenden Jahren ihren Weg in mein Bücherregal gefunden: Marlen Haushofer: “Die Wand”, Edgar Allan Poe: “Die Morde in der Rue Morgue” oder Heinrich Heine: “Neue Gedichte” und Fjodor M. Dostojewskij: “Der ewige Ehemann”.

Deshalb interessiert mich das Neuerschienene mehr und mir fällt natürlich, auch weil ich “Rayuela” lese, die ebenfalls illustrierte Erzählung von Julio Cortàzar: “Erzählung mit einem tiefen Wasser” auf, vermutlich mein letzter Quartalskauf in diesem Jahr. Natürlich hat das Erscheinen dieser Erzählung etwas mit der Ehrengastrolle Argentiniens auf der Frankfurter Buchmesse zu tun, aber warum sollte man sich diese Aufmerksamkeit als Verlag nicht zunutze machen dürfen. In der Mitte des Heftes findet sich dann eine Doppelseite zum Thema Argentinien. Jorge Luis Borges´ Sammlung phantastischer Literatur, seine “Bibliothek von Babel” mit ihren 30 Bänden darf natürlich nicht fehlen. Ich besitze schon den Band 5 von ihm selbst: “25. August 1983 und andere Erzählungen”, den ich ebenso wie einen nochmals illustrierten Band “Das Aleph” nur empfehlen kann. Der Band 2: “Argentinische Erzählungen” würde mich auch reizen.

Erzaehlung_mit _einem_tiefen_Wasser Aleph Malerei_ deutsche _Renaissance

Der neue John Irving: “Letzte Nacht in Twisted River” wäre bestimmt kein Fehlkauf, “Witwe für ein Jahr” hat mir gut gefallen. Sogar englischsprachige Bücher der Folio Society gibt es. Ein neuer Band der englischen Krimiautorin Josephine Tey findet sich da, von der ich, allerdings auf Deutsch, “The Singing Sands” und “The Daughter of Time” gelesen habe. Neben der ersten englischen Shakespeare-Ausgabe von 1623 als Faksimile findet sich aber auch Modernes wie Jack Kerouac und Bruce Chatwin. Die “Rebecca”-Autorin Daphne du Maurier ist mit einem Erzählungsband dabei, in der die von Nicolas Roeg wunderbar verfilmte und mich immer noch beängstigende Erzählung “Don´t Look Now” (Wenn die Gondeln Trauer tragen) zu finden ist. Natürlich gibt es auch politische Sachbücher wie Helmut Schmidt: “Unser Jahrhundert” oder Sebastian Haffner: “Anmerkungen zu Hitler”. Ein neuer Kunstband “Die Malerei der deutschen Renaissance” (1475-1545) darf nicht fehlen, mal nicht die italienische.
Verspielte Kleinigkeiten zum Anfassen rund um das Buch wie ein Memo-Legespiel der Wortraritäten der deutschen Sprache gibt es in der Collection Büchergilde, klingt wie Lagerfeld, aber da spielt man mit so drolligen Wörtern wie Hupfdohle, Karnickelpass oder Knutschkugel, naja. Der obligatorische Adventskalender, allerdings mit dem Titel “Welt der Bücher”, schön illustriert, öffnet Fenster zu Fachbegriffen wie Schusterjunge. Dann kommen noch die Kinderbücher. Das letzte, das mir sehr gut gefallen hat, ist leider nicht dabei: Wilhelm Topsch, “Katze, Liebe Katze”, einfach köstlich. Dann gibt es noch Hörbücher, ein gut sortiertes DVD-Angebot zum Beispiel mit drei Literaturverfilmungen der BBC von den Romanen Jane Austens. Viele Musik-CD´s und ausgesuchte Druckgrafik runden das Angebot ab. Wahrscheinlich langweile ich sie schon mit meinen Lobhudeleien, aber ich finde gerade dieses neue Heft der Büchergilde überaus gelungen.

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