Das Wort als grenzenloser Ort


Sartre
Heute muss ich einmal grundsätzlich ein paar Worte über das Wort “Wort” verlieren. Da steht natürlich an
anderer Stelle schon etwas, aber das ist mir alles viel zu verwirrend. Da landet man dann schnell bei Verweisen auf Oxymora und Tautologien und soll den Unterschied zwischen Worten und Wörtern begreifen. Immer diese logischen, intellektuellen Erklärungen. Andere schreiben gar ganze Romane mit dem Titel “Die Wörter”. Dabei ist die Sache doch ganz einfach. Das W[ort] ist natürlich zuerst einmal ein Ort, wo man sich aufhält. Allein, im Gespräch mit anderen und selbst am Ende bleiben von einem Worte auf einem Grabstein, in Büchern, in Briefen und nicht so lange in Blogs zurück, wieder Orte, die man besuchen kann oder auch nicht. Also das Wort ist ganz einfach ein Ort ohne W, oder besser ein Haus, noch besser eine Stadt, in die man durch ein Stadttor gelangt. Bei den Deutschen wird dieses Tor groß geschrieben, die Franzosen drehen das W einfach um und schreiben es klein: mot. Sie hängen also von dem deutschen Tor einfach noch die Anfangsbuchstaben an ihren Eingang dran. Hinein kommt man fast durch jedes Tor, egal wie klein es auch ist. Manchmal fängt es auch ziemlich ähnlich mit “m” an: mama, maman oder auch nur blabla. Dann allerdings muss man sich doch erst einmal entscheiden, in welchem Haus man auf Dauer wohnen will, dazu lernt man dann ein paar mehr W[orte] oder m[ots]  hinzu. Die meisten machen es sich in diesen Behausungen gemütlich, andere wissen nicht einmal, wo sie eigentlich wohnen. Das an diesem Ort alles angefangen hat, ist ein Irrtum, dem vor allem Religionen, Schriftsteller und Dichter Vorschub leisten. Sie verbreiten ihre Überzeugungen in allen Häusern der Stadt und so ein Überzeugungstäter muss ich dann wohl auch sein. Dabei war am oder im Anfang der Knall, ich wiederhole mich, wie anders sollte auch diese geniale prästabilierte Harmonie oder das unendliche Chaos angefangen haben als mit einem großen Knall. Das Chaos des Knalls hatte aber auch noch etwas anderes ein für allemal festgelegt. Egal in welchem Haus man seine Wohnung, sein Dahoim genommen hatte, die Wörter waren frei. Wer sie gefangen halten wollte, wurde am Ende immer eines Besseren belehrt. Nichts konnte die anfängliche Freiheit der Wörter auf Dauer unterdrücken.

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