Randnotizen 1

Die Welt wird mir immer fremder. Im Konsumtempel Supermarkt kommen mir drei junge Männer entgegen. Ihre Anzahl entspricht dem 3mm-Haarschnitt der ganzen Gruppe. Der eine trägt eine hellblaue Jeans mit großen weißen ausgefransten Löchern, der andere eine an den Beinen schlabbernde dreiviertellange hellbraune Baumwollhose, die eher nach Schlafanzug aussieht. Uniformität des Alters, des Freizeitlooks, des Ganges, der Haltung. Komme mir alt vor, ihre Bewegungen undifferenziert bedrohlich. Mitglieder einer Spaßgesellschaft, die im Takt der Fernsehbilder lebt. Eine ganze Wand aus LCD-Bildschirmen überträgt die gestellte Gerichtssendung eines Privatsenders. Der Impuls, sich dieser Bilderflut zu verweigern, ein Fluchtimpuls so schnell wie möglich aus dieser überfüllten Warenhalle, aus der anonymen Menschenmasse zu verschwinden. Später im Auto das Gefühl nicht schnell genug zu fahren. Fast alle Modelle verführen dazu, Fetischisten der Geschwindigkeit zu werden. Dann im Wald ein Spaziergang. Etwas schwere Beine, aber allein die vielen kühlen Lüfte und der federnde Gang auf dem weichen Waldboden. Kurze Pause auf einer Bank, ich schreibe meine erste Randnotiz in einen kleinen Block. Eine dicke Frau mit Hund joggt vorbei, bewundernswert.

Später auf dem Fahrrad beim Überqueren der Straße das unregelmäßige, stotternde Geräusch eines Trabbis mit seinem Zweitaktmotor. Er fährt einer Mercedeslimousine hinterher, welche Symbolik. Es bleibt die Frage, wie ein sozial befriedeter Staat auszusehen hätte.

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