Randnotizen 2

Von weitem gesehen zieht über das Häuserband des Dorfes ein weißer Wolkenstreifen langsam auf hellblauem Himmelsgrund. Gemalte Landschaft, Wolkengestalten eines unsichtbaren Malers. Vielleicht auch Worte in einer Sprache wie Pinselstriche. Kalte Windböen rauschen am rechten Ohr, hallo Vincent … Keine Sehnsucht nach Nähe, Berührung womit? Gibt es etwas Einsameres als die Gedanken im Kopf eines Menschen? Sterneneinsamkeit. Eingeschlossen wie Autofahrer in ihrem Blech. Kutschenstatus immer im Kopf im Kampf durch die Fahrzeugmassen. Im Labyrinth der Autobahnauffahrten zeigt die industrialisierte Welt ihr unwirtliches Gesicht.

Der Kopf ist unaufgeräumt und sprunghaft, bevor man Worte findet, denkt man an Bilder. Liebe und Sexualität, Hitlers Hund und Empathie, alles kein synaptisches Problem. Filmausschnitt. Der Wolf streichelte die Hündin Blondi auf seiner Burg. Mit angelegten Ohren kroch der Hund im Kadavergehorsam voller Angst unter die Hand seines Herrn. Keine Hüftdysplasie, aber ein gebrochener Wille, ein gebeugtes Rückgrat. Die perfide Brutalität äußert sich in vermeintlicher Zuwendung, ein ekelhaftes Bild. Völlig fremd ist diesem Verhältnis die Empathie. Der zentrale Begriff, mit dem die Menschheit überleben könnte und im Umgang mit Tieren erlernbar. Wie den “positiven” Autobahnbau, sehen viele im faschistischen Hundehalter sein weiches Herz. Dabei äußert sich gerade hier die ganze Perversität der Psychologie des Faschismus. Der gebrochene Stolz des Schäferhundes.

Über manche Dinge sollte man(n) nicht schreiben. Die Einsamkeit der Lust, obwohl doch der Sex uns gerade daraus befreien sollte. Teilnahme am anderen, Begegnung. Ist Sexualität, vor allem die männliche, nicht auch immer egoistisches Kopftheater, Triebbefriedigung am und nicht mit dem anderen. Ist sie nicht immer noch ein wunder Punkt der Entfremdung, trotz aller Freizügigkeit der Bilder? Hat biologische Bedürfnisbefriedigung etwas mit Liebe zu tun? Man könnte geradezu katholische Gedanken bekommen, wenn sie nicht mit so viel Bigotterie daherkämen. Kann man(n) über Sex überhaupt schreiben. Was kommt schon dabei heraus, Poesie oder Pornographie, verklemmt klingt es immer. Sanft teilte seine feuchte Zunge meine zarten Lippen. Diese berechenbare Doppeldeutigkeit der Sprache. Selbst Julio hatte seine Schwierigkeiten in Kapitel 68

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