Sätze mit denen man fliegen möchte. 2

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ausgeliehen von: www.grosseferien.ch – Gartenstatuen auf Schloss Peleș

Ich blieb im Bett, bis es dichte Nacht geworden war, die nur zerschnitten wurde, wenn die Funken der Straßenbahnen auf den Stefan-cel-Mare elektrische Lichtstreifen an Decke und Wände warfen. Ich war erregt und traurig. Wenn ich die Augen schloss, erschienen mir unter den Lidern die dutzenden Statuen, denen ich in die Augen geblickt hatte – im Versuch, zu verstehen, welche Gedanken diese Menschen aus grün gewordener Bronze und aus Stein bewegen mochten, diese illustren Männer, denen pausbäckige Musen Gänsekiele oder gleichfalls von Grünspan überzogene Lorbeerkränze reichten. Und: wie diese Damen mit marmornem Uterus denn wohl Liebe machten. Ja, zu später Nachtstunde, wenn die Obusse sich zurückzogen, stiegen die illustren Männer von ihren Sockeln herab, packten die Musen bei den Haaren und zerrten sie ins Gebüsch der Parkanlage. Sie stießen mit ihren auf Hochglanz polierten Metallpenissen zwischen die vom Tau der Nacht befeuchteten steinernen Schamlippen. Die Atlasse und die gipsernen Gorgonen mit abgeschlagenen Nasen paarten sich und ließen die oleanderbestückten Balkone auf das Straßenpflaster krachen.

Mircea Cărtărescu: Orbitor’-Trilogie Teil1: Die Wissenden. Wien: Zsolnay 2007. Eine Rezension

* Gorgonen

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