Euro mal anders

5_cent_coin_Pt_serie_1

5-Cent-Münze aus Portugal

Wir alle kennen die Währung Euro, schelten sie als “Teuro” oder reden von seiner nun schon lang anhaltenden Krise, die man je nach politischer Couleur Bankenkrise, Staatsschuldenkrise oder eben Eurokrise nennt. Schließlich hätte ja auch jeder von uns soviel er davon kriegen kann in seiner Tasche oder auf seinem Konto. Im Grunde aber sind wir des Themas “Money, Money, Money” längst überdrüssig. Mit einer Zwei-Cent Münze fing dann aber neulich doch meine Neugierde an. Ich zählte anstatt Blei zu gießen einfach das Kupfergeld. Was man so anhäuft, wenn das Portemonnaie die Hose ständig nach unten zieht. Beim Zählen und Rollen hatte ich dann plötzlich bemerkt, dass ich nicht mehr nur im deutschen Eichenwald stand mit seinen auf Dauer langweiligen, gleichförmigen Laubblättern, sondern ich hatte doch tatsächlich eine kleine Blume auf der Rückseite erwischt. Wo kommt die denn her, dachte ich und wusste keine Antwort. Wozu gibt es Wikipedia, bei dem ich immer noch grüble, ob ich nicht doch fünf Euro spende, verdient hätten sie es. Also tippte ich dort Euromünzen ein und lernte, dass es zwanzig verschiedene Münzrückseiten aus den jeweiligen Ländern gibt. Aber welches Land benutzte denn eine Blume? Blumen bekomme ich doch höchstens zu meinem Geburtstag und “Flower Power” war mehr als gestern. Nach einigem Durchklicken fand ich dann das österreichische Edelweiß. 2 Cent Österreich Nett diese Österreicher, haben doch mehr Charme als der deutsche Siegfried im Eichenwald. Jetzt hatte mich der Sammlertrieb gepackt und ich erinnerte mich an eine 5-Cent Münze, mit deren Rückseite ich fast gar nichts anfangen konnte.  Die Schrift auf derselben hatte ich wegen der Verdreckung des Exemplars und meiner ständig sich verschlimmernden Akkomodationsschwäche des Ziliarmuskels durch Verhärtung meiner Augenlinsen (einfach ausgedrückt, Brille aus Altersgründen) nicht lesen können. Ziemlich kryptische Schreibweise um das katholische Kreuz herum, Por-tu-ga-l. Die spanischen Münzen allerdings besänftigten meinen Unmut, denn sie haben doch tatsächlich einen Schriftsteller auf ihrem 10-, 20,- und 50-Cent-Rücken, und was für einen: Miguel de Cervantes persönlich, Verfasser des ersten Romans unserer westlichen Welt. Ohne Rosinante und Sancho Panza möglicherweise kein Bolaño. Dass er wertemäßig hinter dem König Juan Carlos auf der 1- und 2-Euro-Münze zurücktreten muss, sehe ich zwar nicht ein, aber das sollen die Spanier unter sich ausmachen. Zugegeben stehen die Schriftsteller bei mir wahrscheinlich unverdient in einem zu hohen Rang. Worum es mir aber mit diesem Beitrag geht, ist das Gefühl, sich einer Währung oder dem Geld auch anders nähern zu können als nur im schlicht materiellen Wertsinne. Denn wenn ich mir vorstelle, dass diese Münzen Griechen, Spanier, Portugiesen und Italiener in Händen hielten, dann komme ich mir vor, als würde ich ihnen symbolisch durch das Anfassen der Münzen und durch das Interesse für ihre Kultur und Literatur auch die Hand reichen und mehr von ihnen erfahren als den aktuellen Zinssatz, zu dem sie sich verschulden dürfen, wenn Moody´s oder Fitch und wie sie alle heißen, es erlauben. So sammle ich jetzt die Euromünzen des Auslands mit ihren nationalen Rückseiten, bevorzugt natürlich die Schriftsteller, selbst solche, die ich gar nicht kenne wie Rigas Velestinlis, ein revolutionärer Grieche, den die Österreicher an die Osmanen verrieten. Mal sehen, ob mir irgendwann sogar Dante Alighieri in den Geldbeutel purzelt. Dass Geld mir etwas beibringen könnte, außer die Gier danach und das ewige Lamento immer zu wenig davon zu haben, ist doch erstaunlich. So jetzt muss ich noch ein paar Telefonate tätigen, ich brauche einen Überbrückungskredit, so 5000 Euro hatte ich gedacht, aber das dürfte ja keine Schwierigkeit sein, ich habe gehört, bis 500000 braucht man dazu nur einen entsprechenden Bekanntenkreis.

Advertisements