Sätze mit denen man fliegen möchte. 3

Regen

“Manchmal ist der Regen verzagt oder verzweifelt, er ist verhalten oder besonnen oder beschämt oder betreten. Und manchmal ist er einfach gleichgültig und die Tropfen fallen lediglich von oben nach unten.
     Ich stehe gebannt am offenen Fenster und höre, wie eine Umgebung entsteht, wie Gegenstände wachsen und werden. In solchen Momenten wird der Raum, den ich oft nur als drückende Masse empfinde, die auf mir lastet, zu einer Umgebung und einem Gefüge, in das ich eingebettet bin. Ein Leben, zu dem ich gehöre und an dem ich teilnehme. An ihren Geräuschen kann ich erkennen, dass da draußen tatsächlich eine Welt existiert und nicht nur unendlicher Raum. Man müsste all das, was wird, was entsteht oder vergeht, alles, was eine Entwicklung nimmt, einen Verlauf oder eine Veränderung, man müsste alles dazu zwingen, dabei ein Geräusch zu machen. Denn nur am Geräusch des Werdens kann ich erkennen, das etwas ist.”

Aléa Torik: “Das Geräusch des Werdens” Berlin: Osburg Verlag 2012. Leseprobe

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