… und nochmal Regen

„Irgendwo zwischen den Alpen und der Ostsee, zwischen Fläming und Uckermark, Ruppiner Land und Märkischer Schweiz, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Aleutentief und Azorenhoch liegt Berlin geradewegs im meteorologischen Nirgendwo. Regen, nichts als Regen. Regen, Regen, Regen. Es regnet in allen Stadtteilen, in Frohnau und in Friedenau, in Steglitz und Schöneberg, Hellersdorf und Hohenschönhausen, Friedrichshain und Friedrichshagen, Schlachtensee und Schmargendorf, Spindlersfeld und Spandau, Wendenschloss und Weißensee, Kaulsdorf und Karow, Buchholz und Blankenburg, es regnet in Oberschöneweide, es regnet in Johannisthal, in Grünau, in Karolinenhof, in Treptow und im Wedding, wo der Sex, wie ein Graffiti an einer Häuserwand informiert, noch so ist wie er sein muss, dreckig nämlich, richtig schön dreckig; es regnet in Hirschgarten und Elsengrund, Uhlenhorst, Rosenthal, Heinersdorf, Falkenberg, Französisch-Buchholz, Lichterfelde, Piepertswinkel, im Bayerischen Viertel, im Hansaviertel, im Frauenviertel, im Blumenviertel, im Märchenviertel, im Vogelviertel, im Geflügelviertel, im Rheingauviertel, im Schanzenviertel, im Afrikanischen Viertel, im Komponistenviertel, im Schriftstellerviertel, im Tiroler Viertel, im Schweizer Viertel und im Scheunenviertel; es regnet in der Otto-Suhr-Siedlung, in der Hufeisensiedlung und in der Tuschkastensiedlung, in der Thermometersiedlung mit Celsiusstraße, Fahrenheitstraße, Réaumurstraße und Mercatorweg, in Onkel Toms Hütte, in Cäciliengarten, in der Weißen Stadt, in der Gartenstadt Atlantic, in Riehmers Hofgarten, im Böhmischen Dorf, in Siemensstadt, in Gropius-Stadt, im Märkischen Viertel und in Albrechts Teerofen, der südlichsten Siedlung Berlins, mit kaum zwei Dutzend Häusern, 20 Kilometer vom Zentrum entfernt. Es regnet einfach überall.“

Aléa Torik: “Das Geräusch des Werdens”. Berlin: Osburg Verlag 2012.

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