Protokoll einer portugiesischen Reise I

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Esposende/Ofir, 24.05.2012

Der fuenfte Tag der Reise mit dem morgendlichen Blick vom Balkon des fuenften Stockwerkes auf die weisse Gischt des Meeres. Lesen, Antunes „… rios que vão“:

„…und die Ueberraschung und der Schrecken verliessen ihn, eine von nirgendwo kommende Finsternis faerbte ihn innerlich ein, beschraenkte sein Leben auf unzusammenhaengende Farben und diffuse Formen, die in einem Abflussloch in ihm verschwanden, von dessen Existenz er keine Ahnung gehabt hatte, obwohl er nicht dachte, glaubte er zu denken

– Wer bin ich?

und was bedeutete denken, was bedeutete ich denke gerade, und das Ich verschwand seinerseits in dem Abflussloch…“

Das unablaessige Rauschen des Meeres, waehrend sich das Sonnenlicht vom Wasser aus ueber dem festen hellen Sandstrand bricht. Das Sprunghafte der Gedanken Antunes, die Wellen seines Gedankenflusses. Ein leeres Paar Schuhe, das einsam im Zimmer steht ist ein trauriger Anblick, als ob der dazu gehoerige Mensch fehlen wuerde. Und wieder Antunes:

„… wo er doch nur, indem er sprach, obwohl er die Saetze nicht wahrnahm, die Gewissheit hatte, zu sein, falls ich schweige, existiere ich nicht,…“

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