Odette, Gilberte, Albertine und eine lesende Blondine

Koba Film_Jeunes filles à Balbec

Auf einen zweiteiligen Fernsehfilm bei arte möchte ich hinweisen, dem ich, auf alles gefasst, eher skeptisch gegenüberstehe. Da hat sich jemand tatsächlich daran gewagt, Prousts komplette “Recherche” zu verfilmen. Kann das gut gehen? Ich glaube nicht daran. Es wird wohl eher der oberflächliche Versuch sein eine historische Kostümshow zu veranstalten und den komplexen Roman auf ein Familiendrama einzudampfen. Man sollte sich nichts vormachen bei diesen Literaturverfilmungen, die Lektüre kann so etwas nicht ersetzen, nicht einmal der zumindest anspruchsvollere Versuch von Raúl Ruiz “Le temps retrouvé” konnte das. Proust als Fernsehunterhaltung wird es schon gar nicht können, aber selbstverständlich werde ich mir einen Blick gönnen und vermutlich den Kopf schütteln, aber wer weiß, vielleicht werde ich doch überrascht und zumindest die Kostümierung der obigen Mädchenschar aus “À l´ombre des jeunes filles en fleur” mag ihren Reiz versprühen.

(Der Hauptdarsteller war die größte Enttäuschung, so bleibt auch dieser FAZ-Kritik wenig hinzuzufügen!)

ThinkingAbility

Im neuen Büchergilde-Heft stieß ich auf einen neuen Fotoband über Marilyn Monroe zum 50. Todestag: Metamorphosen – Verwandlungen, Ovid lässt grüßen. Ein Foto hat mich gleich gefangen genommen, einmal mehr das der lesenden M.M. Warum haben männliche Fotografen Marilyn Monroe ständig Bücher lesend  abgebildet, die Palette der Werke reicht von James Joyce “Ulysses” über “How to develop your thinking ability”, einem “Reference Book” bis zu Walt Whitmans “Leaves of grass”. Liegt nicht in dieser Wiederholung eher eine Bestätigung der Vorbehalte in Bezug  auf alle Blondinen, die ein ganzes Genre an Witzen hervorbrachte, etwa sie seien gut fürs Bett, aber sonst strohdumm? Ich kann darin keine ins Emanzipatorische gerichtete Absicht entdecken, denn es wirkt mehr wie  ein konstruierter Gegensatz zwischen ihrem Sexbombenimage und angeblich hochgeistiger Betätigung, als spiele man(n) mit und bediene bewusst das männliche Klischee.  Aber die beiden weiblichen Filmmythen und Ikonen der fünfziger Jahre, MM und BB lösen auch bei mir weiterhin ein dauerpubertierendes Grundmuster der Konzentration auf “tits and asses” aus. Absolut die Segel streiche ich allerdings bei der verführerischen Frische der frühen Fotos, die auch einen Hauch von ungezwungener Unschuld vermitteln. Aber auch der Schatten bei Proust hat ja ein gewisses pädophiles Element, was mich spontan an Thomas Manns Gustav Aschenbach denken lässt. In allem der Reiz verführerischer Jugend. Wo wir nicht alles hingelangen mit unseren Projektionen…

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