Kurze Gedanken zur Literatur

William McGregor Paxton The blue book 1914

via Women who read (Art)

Also 1914 hatte die Dame oben natürlich noch nicht die Gelegenheit Alban Nikolai Herbsts Roman “Wolpertinger oder das Blau” in Händen zu halten, aber ein genauso schönes Blau ziert auch den Einband seines umfangreichen Buches, das ich bisher nur angelesen habe. Bei der Dicke muss man schon einen größeren Anlauf nehmen, manchmal sind diese mir auch bisher schon zu kurz geraten, ich erinnere mich an “Rayuela” und “Die Wissenden” von Cărtărescu, da bin ich als Bücherwurm nur bis in die Mitte vorgedrungen und dann erst einmal steckengeblieben. Gerade lese ich die beiden ersten Sätze meiner “Travestie”-Besprechung noch einmal. Was für wegweisende Fragen ich doch da gestellt habe: “Sind Sie ein Mann oder eine Frau? Können sie sich vorstellen beides gleichzeitig zu sein? Das für die meisten von uns so eindeutige Geschlecht gibt meist keinen Anlass zum Zweifel.” Sich selbst zu zitieren ist so was von eitel…

Lieber ein paar beschreibende Worte zum Gemälde: Der bestickte Stoff sieht aus wie Seide und der blaue Hut verlängert diagonal den Leseblick. Dicke Bücher muss man meist mit zwei Händen halten, meine sind auf der Terrasse über dem alten Notebook gerade ziemlich kalt geworden. Der Link unter dem Bild verweist auf eine Pinterest-Seite einer Frau, die ich in meine Blogroll aufgenommen habe. Ich weiß nicht was mich treibt, aber Gemälde von lesenden Frauen sammle ich auch ständig. Zu jeder könnte mir eine Geschichte einfallen nach einiger Recherche dazu. Aber ich wollte lediglich ein paar Gedanken zur Literatur festhalten, die ich gestern früh hatte. Das Nachdenken über die Schnittstellen der Literatur lässt eben nicht nach:

Die Literatur steht immer, auch wenn sie selbst oder der Autor das Gegenteil behaupten wollen, in einem Spannungsfeld. Wo die Literatur zum geschlossenen Spielraum wird, versucht sie, sich selbst und ihren Text zum eigenen Subjekt zu erklären. Das Spannungsfeld jedoch, in dem sie existieren und sich bewegen muss, ja überhaupt erst lebendig wird, ist viel zu differenziert und vielschichtig. Ambivalente Verhältnisse zwischen Autor und Leser, Autor und Text, Autor und Gesellschaft, Fiktion und Realität, Ort und Zeit. Sie selbst möchte gern einen Raum schaffen, der nur ihr gehört, einen “locus ludens”, einen lieblichen Ort des Rückzugs auf sich selbst, aber nichts, auch keine Zeichen, stehen für sich selbst. Alles existiert nur als Netz und verstrickte Struktur, als Abhängigkeit. Etwas absolut setzen zu wollen, ist nichts als menschliche Hybris oder Eitelkeit.

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