Sechs mal Antiquarisches am Sonntag

Rilke_Cornet          Tucholsky_Rheinsberg          Berington_Abeillard

Bredt_Kubin          Fischer_Kraus          Musset_Geliebten

Um wirklich systematisch zu sammeln fehlt mir das nötige Kleingeld. Deshalb bleibe ich beim Stöbern in Antiquariaten meist nur an irgendwelchen älteren Bänden hängen, die mich dann aber auch so anziehen, dass ich nicht an ihnen vorbeikomme. Also zücke ich doch am Ende das Portemonnaie. Alles, was da oben zu sehen ist, gibt es meist für wenig mehr als zehn Euro. Auch beim Kauf von neuen Büchern kann ich mich nicht erinnern, jemals mehr als hundert bezahlt zu haben. Der Begriff “wertvoll” bezieht sich also für mich ausschließlich auf eine innere Beziehung zum Gegenstand. Man könnte auch sagen, ich würde rein nach dem Gefühl kaufen. Bücher, schon gar nicht alte, sind für mich keine rationalen, intellektuell erschließbaren Gebrauchsgegenstände, aus denen ich mir Wissen aneignen will. Sie müssen mich auf einer ganz anderen, dunkleren Ebene ansprechen, als nostalgische Wesen, die eine Reise durch Zeiten hinter sich haben, die ich nicht kannte. Denn nicht nur der reine Text spricht von ferner Vergangenheit, der Gegenstand selbst war in seiner Gänze Teil von ihr.

Im Sommersemester 1919 schrieb eine Else Waskowsky in Göttingen in den Rilke-Band mit blauer Füllfederhalterschrift, der der erste der viel gesammelten “Insel-Bücherei”-Reihe war: “Die Liebe und der Tod machen Weise zu Narren und Narren zu Weisen”.

Ein Toni hält am 18.4.1920 im Tucholsky-Bändchen mit Bleistift fest: “Tiefes Erleben ist zeitlos!

Der zweite Band von “The History of the Lives of Abeillard and Heloisa” von 1793 ist das älteste Buch überhaupt, das ich besitze. Immerhin ist es nächstes Jahr dann zweihundertzwanzig Jahre alt.

Im Juni 1929 verewigt sich der Besitzer der Kubin-Biographie mit seinem Namen auf dem Vorsatzblatt: Reinhold Zulkowski, immerhin selbst ein Landschaftsmaler.

Verschneite DaecherDie Werkauswahl von Karl Kraus kaufte ich in einem kleinen Potsdamer Antiquariat. In dem Band kann man mindestens genauso stöbern wie dort, wo ich ihn fand: “Liebe und Kunst umarmen nicht was schön ist, sondern was eben dadurch schön wird.”

Über Alfred de Mussets Grisettennovellen schrieb ich einmal etwas und fing an, diese illustrierten kleinen Nachkriegsbändchen zu sammeln. Wie so oft ging der Reiz zunächst vom Äußeren aus.

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