Sixpack on sunday: natural and life sciences

GalaxienBig BangPhysik der MusikVoegel MitteleuropasRadiobastelnAustin Rosen

Naturwissenschaftliche Bücher sind absolut kein Schwerpunkt in unseren Bücherregalen. Richtig anstrengen musste ich mich, um etwas zu finden. So einseitig steht dem eine Übermacht aus Literatur, Kunst, Philosophie, Politik und Geschichte gegenüber. Ich habe vor langer Zeit einmal das auch von seiner Geschichte her eher neusprachlich ausgerichtete Gymnasium Corvinianum in Northeim besucht. Schon da gab es aber immer noch mehr naturwissenschaftliche Fächer, als mir beim Abitur lieb war. Mathematik, Geometrie, Chemie, Physik, Biologie; was soll ich sagen, der Biologieunterricht des Klassenlehrers hat mich einmal so gestresst, dass ich lieber zehn Tage mit dem Stadtbus zur Kreisstadt immer wieder hin und zurück fuhr, als in die Schule zu gehen und eine Biologiearbeit zu schreiben.Gymnasium Corvinianum_bis 1975 Auch der Musikunterricht mit Zwangsblockflöten beim noch namentlich auf Wikipedia genannten Musiklehrer erinnert mich heute mehr an eine Zuchtanstalt aus Musils Novelle mit dem jungen Törleß. “Die physikalischen Grundlagen der Musik” oben gehen auf diesen Unterricht zurück. Aber ich will nicht ungerecht sein, wir lernten Notenlesen und sogar etwas über Mozart und die Sonatenform. Nach diesen alten Reminiszenzen nun aber ein wenig kosmologische Hobbyphilosophie:

Wenn ich mir allein den Umschlag von Timothy Ferris´ “Galaxien” anschaue, wird mir bewusst, dass der Mensch und seine Erde im Verhältnis zum Raum verschwindend klein ist. Wir spielen in diesen Dimensionen einfach keine Rolle. Überhaupt ist die menschliche Spezies rein physikalisch betrachtet mehr als vernachlässigungswert. Wenn man allerdings an die Unendlichkeit des Makrokosmos denkt, fällt natürlich sofort sein Gegenteil, der Mikrokosmos, ins Auge. Beziehungsweise gerade eben nicht in ein solches, denn so wie der eine verschwindend groß, so ist der andere korrespondierend verschwindend klein. In einem mehr ontologischen Sinn, der in der Naturwissenschaft nichts zu suchen hat, fällt beides von der Bedeutung her wieder ineinander. Das Bezugssystem Mensch allerdings muss in beidem keine Rolle spielen. Wenn uns also bewusst wäre, dass Natur grundsätzlich auch ohne uns funktioniert, müssten wir doch gerade auf sie besonders acht geben, weil wir im Gegensatz zu ihr, vollkommen von ihr abhängig sind. Eine Geisteswissenschaft aus dem Nichts kann es nicht geben. Der Homo sapiens bleibt trotz seines so hochgeschätzten Geistes ein biologisches, natürliches Wesen tierischen Ursprungs. Die Hybris der Menschheit geht heute jedoch so weit, sich trotz besseren Wissens immer noch gegen ein ökologisches Verhältnis zur Natur und lieber für z. B. Finanz- und Wirtschaftsräume, Bevölkerungsexplosion und Kriege zu entscheiden. In eine philosophische Grundsatzdebatte will ich mich allerdings nicht weiter versteigen. Mein Sixpack-Konzept beruht sowieso darauf, Geschichten zu den vorgestellten Büchern zu erzählen. Das zweite Buch Simon Singhs “Big Bang” ist ja nicht weit von der Thematik des ersten entfernt. Wenn man die Größe des Universums bestaunt hat, fragt man sich natürlich, wie es überhaupt entstanden ist. Dass an anderer Stelle von einem siebentägigen Schöpfungsprozess die Rede ist, muss keinen wirklichen Gegensatz darstellen. Ich begreife jede religiöse Äußerung schon lange nur noch als Gleichnis oder um es im christlichen Sinne zu sagen, die tatsächliche, authentische Existenz eines Jesu ist unerheblich. Der Wert biblischer Geschichten liegt zumindest für mich nicht in den einzelnen Figuren, egal ob sie Gott oder Teufel heißen, sondern in dem, was sie an grundsätzlicher Menschlichkeit erzählend zu vermitteln vermögen. 

Um ehrlich zu sein, die drei Bücher in der oberen Reihe gehören mir, die drei in der unteren stehen mehr im Zusammenhang mit meiner Frau. Der alte Band “Radiobasteln für Jungen” von Heinz Richter, die erste Auflage von 1955, ist ein gutes Beispiel dafür, auf was für verschlungenen Pfaden manche Bücher in unseren Besitz geraten. Es gehörte einmal dem Bruder des Exmannes meiner Frau, der ein angesehenes Fernseh- und Rundfunkfachgeschäft nach seiner Ausbildung in Hannover betrieb, während der er es vielleicht geschenkt bekam. Erinnern tut es mich aber an meinen viel älteren, verstorbenen Schwiegervater, damals selbst Meister der Innung Radio- und Fernsehtechnik, der diesem Bruder des Exmannes sogar die AbschlussprüfungRoehren zum Radio- und Fernsehtechniker abnahm und den ich mir jedes Mal, wenn ich dieses Buch mit seinen vielen Abbildungen von riesigen Röhren in der Hand halte, auf seinem Dachboden bastelnd in den zwanziger Jahren vorstelle, wo Radio noch eine Innovation und Sensation gewesen sein muss. Das Radiobasteln brachte meinen Schwiegervater als Funker im Krieg später bis nach Peenemünde in die Nähe Wernher von Brauns. Diese eher familiären Zusammenhänge, die niemanden besonders interessieren müssen, zeigen so, dass meine Vorstellungswelt ganz unabhängig von der sozusagen geschichtlichen Wahrheit agiert. Dieser Akt der Phantasievorstellung ähnelt vielleicht dem beim Lesen eines fiktiven Textes.

Fehlen noch die letzten beiden Bücherabbildungen, das Bestimmungsbuch “Vögel Mitteleuropas” und David Austins “Englische Rosen”. Dann lasse ich Sie in Ruhe, versprochen! Ist eh schon zu lang geraten, nur Hartnäckige werden bei so viel Privatem bis hierher weiter gelesen haben. Was für einen lausigen Vogelkundler ich abgeben würde, sieht man schon daran, dass ich den so bunten Vogel auf dem Umschlag oben selbst mit dem Buch nur schwer identifizieren konnte. Es ist ein Gartenrotschwanz. Dass bei dieser Spezies nur die Männchen ein “Prachtkleid” tragen und auf Ästen sitzend ständig mit dem Schwanz zittern…, lassen wir so unpassende Gockel-Vergleiche. Wesentlich ernsthafter erinnere ich mich an den Referenten für Geschichte in der Bibliothek, wo ich arbeitete. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Historiker, sondern bot sogar zur Erkundung der heimischen Vogelwelt Spaziergänge für die Kollegen an. Schnell hat man den Ruf weg, etwas kauzig zu sein, doch heute bedauere ich fast, nicht doch einmal mitgelaufen zu sein.

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…”, Gertrude und Alice oder Umberto, “Die Rose von einst steht nur noch als Name…”, das hat jetzt sogar eine sehr persönliche Bedeutung für mich und stimmt auffällig! Bei Rosen fällt mir offenbar auch nur Literatur zuerst ein. Unsere schönste Rose rankt sich an der Seitenwand des Gartenhäuschens empor, ein Inbegriff des Sommers, denn sie duftetGolden Celebration unvergleichlich, sodass ich beim Vorübergehen oft nicht widerstehen kann, an einer der großen, herabhängenden Blüten zu riechen. Im Moment hätte ich nichts davon, denn mein Riechorgan ist seit vierzehn Tagen verschnupft, aber selbst im Winter zehrt man von der Erinnerung und sehnt sich nach einer Auffrischung. Es ist eine “Golden Celebration”, un moment, ich scanne die Seite ein. Eine David Austin Rose, durch Kreuzungen mit alten englischen Rosen aus dem 18. Jahrhundert gezüchtet,  ist immer etwas ganz Besonderes. Zum Schluss fällt mir noch eine Anekdote zur Hermann Hesse Rose auf der anderen Seite unseres Gartens ein. Dazu muss man wissen, dass der Nachbar rechter Hand mit Vornamen auch Hermann heißt und ich mir angewöhnt habe von der Rose, die den Namen des berühmten Schriftstellers trägt, flapsig ebenfalls als “Hermann” zu sprechen. Mit einem etwas mulmigem Gefühl im Magen rufe ich dann demonstrativ, wenn der Nachbar mal wieder mit akribischer Rasenpflege beschäftigt ist, “Na, was macht denn Hermann” lauthals in die Luft. So ziemlich alles hat einen doppelten Boden. Dies war ein “Erkältungsbeitrag” nach einer Erkältungspause. Ich bitte um Nachsicht. Gut, dass man zum Tippen keine freien Atemwege braucht.

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