Recordando a Roberto Bolaño, narrador y poeta (†15. 7. 2003)

ARFC43~1

Remembering Roberto Bolaño, so lautet auch der Titel, den ich meiner kleinen Sammlung von Abbildungen zur Erinnerung an Roberto Bolaño auf Pinterest gegeben habe. Heute vor genau zehn Jahren starb Roberto Bolaño, weil er auf einer Liste von Patienten, die für eine Lebertransplantation vorgesehen waren, nur an dritter Stelle stand.
Was ich zu seinem zehnten Todestag außer der Erinnerung beisteuere, ist zum einen die überarbeitete Tabelle seiner Erzählungen, in der von insgesamt 54 gerade einmal 24 bisher auf Deutsch erschienen sind, womit noch genug Nachholbedarf vorhanden ist. (Ohne Spanischkenntnisse diese dreiundzwanzig Erzählungen selbst zu übersetzten, so vermessen bin selbst ich nicht.) Zum anderen gibt es die schon vor ein paar Tagen veröffentlichte neue, kleine Übersetzung von “Encuentro con Enrique Lihn” als PDF-Datei. Auf die von mir schon 2011 übersetzte Erzählung “Gomez Palacio” weise ich auch noch einmal hin. Was Bolaños Verhältnis zu Enrique Lihn betraf, hier nur eine kurze Bemerkung von ihm in Englisch, die nicht das erste Mal ironisch mit Zahlen spielt, genauso wie er es mit den “Tigern” in der Übersetzung macht:
“Lihn was without a doubt the best poet of his generation, the so-called Generación del ’50, and one of the three or four best poets born between 1925 and 1935. Or maybe one of the two best. Or maybe he was the best. ”
— Roberto Bolaño on Enrique Lihn   
Was die Tabelle betrifft, habe ich nur die Zusammenstellung seiner Erzählungen von der englischen Wikipediaseite genommen, und sie mit den bisherigen deutschen Übersetzungen abgeglichen. Soweit vorhanden sind zumindest die zur Zeit online auf Englisch verfügbaren Titel in der überarbeiteten Tabelle verlinkt. Auf Deutsch sind bislang nur zwei Bände seiner Erzählungen erschienen: “Der unerträgliche Gaucho” und “Telefongespräche”. Im englischen Sprachraum dagegen schon vier:
Insufferable_Gaucho Secret__of_Evil
Last_Evenings_On_Earth The_Return
Ich hoffe immer noch auf die Herausgabe eines dritten Erzählbandes oder um völlig unbescheiden zu sein, auf eine komplette deutsche Werkausgabe. (Immerhin bezeichnet schon der Fischer Verlag seine bisherigen Taschenbuchausgaben als eine solche) Da muss es aber schon einigen Idealismus in den Verlagen geben, dies bis zur Vollständigkeit weiterzuführen, denn der Hype von 2009, als “2666” auf Deutsch erschien, ist ziemlich verflogen.
Kann man den Tod eines fremden lateinamerikanischen Autors bedauern, sind Schriftsteller uns überhaupt nah? Nicht umsonst habe ich gerade die Erzählung “Encuentro con Enrique Lihn” (<<<<< spanischer Text) zur Übersetzung ausgewählt, denn sie verarbeitet den Verlust eines befreundeten Schriftstellers in einem posthumen Traum von ihm. Für mich werden diese fern und fremd klingenden Namen der “Tiger der lateinamerikanischen Literatur”, einschließlich Bolaño, ohnehin nur durch ihr schriftliches Vermächtnis wieder lebendig. So bleibt der erinnernde Gedanke der anderen die einzige Spur, die wir hinterlassen können. Aber auch diese Erinnerung verschwindet einmal im Nichts, weil die “Welt für alle viel zu groß geworden ist”, dass nur noch das bereits in ihr geschriebene Wort den bisherigen Platz im Himmel zum Überdauern eingenommen zu haben scheint. Der Traum in der Erzählung ersetzt also in gewisser Weise den Himmel, zumindest begeht er den Himmel der Literatur.
Ein halbes Jahr vor seinem Tod in einem Interview mit Alfonso Carvajal vom Dezember 2002 in Blanes antwortete Bolaño auf die Frage: Und der Tod? (la muerte) ”Sie kommt herein und ich gehe hinaus”. Wo immer er hingegangen sein mag, ob in das siebte Stockwerk eines Gebäudes mit einer Bar im Erdgeschoss oder in einen Stadtteil, in dem nur noch die Toten spazieren gehen, er tat es nicht, ohne uns sein immer Flüchtigstes und zugleich Dauerhaftestes zu hinterlassen: die Poesie seiner Literatur.
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