Faszination Filmausschnitt

Jakob liest in „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“
Das Lesen als eine Tätigkeit, die im Verhältnis zur harten Arbeitswelt nichtsnutzig und überflüssig erscheint. Doch die Literatur ist Ursprung einer Sehnsucht nach einem anderen Leben. Jakob träumt so sehr von Brasilien und einem Mädchen, dass Phantasie und Wirklichkeit für ihn verschwimmen. Dass sich Literatur und Leben bestenfalls gegenseitig bedingen ist eine Binsenweisheit. Nicht umsonst ist die Erde annähernd rund und das Leben darauf ein Kreislauf. Damals träumte man noch, dass etwas besser werden könnte, wie hoffnungslos die Gegenwart auch schien. Heute sind viele leider schon froh, wenn alles so bleibt, wie es ist. In diesen Film von Edgar Reitz muss ich unbedingt noch hineingehen. Ein Buch zum Film gibt es auch.

Rainer Werner Fassbinder: Liebe ist kälter als der Tod (Katrin Schaake und Ulli Lommel im Zugabteil)

Punkt 13 Minuten vor zwölf Uhr fährt am Ende des Ausschnitts das Taxi, ein Heckflossen-Benz mit Lenkradschaltung, am Bahnhof vor, an dem der junge Mann mit Gangsterhut ausgestiegen ist. Es kostet ihn nur ein Fingerschnipsen. Vorher saß er einer jungen Frau im Zugabteil gegenüber, die rauchte und ihn in ein erotisches Ablenkungsmanöver zu verwickeln versuchte. Adam und Eva mit Apfel im Zugabteil, ein gemeinsam rauchendes Gegenüber. Die magisch, ruhige Kamera, die das Wechselspiel der Blicke im Frontalporträt festhält, um dann wieder in eine Art klaustrophobische Totale mit der vorbeirauschenden Landschaft zu wechseln. Liebe ist kälter als der Tod, keine ermutigende Feststellung im Titel des ersten Fassbinderfilms. Die coole Art des Gangsters Lommels und die laszive Katrin Schaake, einmal mehr eine faszinierende Schwarzweiß-Szene.

Advertisements