Das sprechende Auge II

Sie hatten schließlich ein weißes Sofa zum Schauplatz ihrer körperlichen Eskapaden gemacht, dass mich an die Mauern der Gebäude zurückdenken ließ. Ich bin nun mal ein Lichtwesen. Dieser Hintergrund lenkte mich auf ihre strahlend weißen Zähne, vor allem ihre symmetrischen, kräftigen Schneidezähne über dem bunten Top leuchteten kontrastreich zu dem dunklen Haar. Ich sah jetzt von oben auf ihr Gesicht herab, dessen Mund sich mit seinem Fleisch füllte. In den nächsten zwanzig Minuten sollte ich in einem Meer von Hauttönen schwimmen, blasse Nuancen bis hin zum kräftigem Rot der Lippen- und Zungenspiele. Andere mag das erregen, ich aber sah auch die schwarze Fernbedienung auf dem Tisch, den großen Ring an ihrem rechten Zeigefinger, die zwei schwarzen Armkettchen und das Ungestüme in ihren Bewegungen, den unbedingten Willen, ihn zu erregen. Die glänzende Nässe des Speichels, der kleine Bläschen schlug und ihre Reibungen erleichterte. Ich wunderte mich, wie er mich bei diesem Geschlechtsakt gleichzeitig in seiner rechten Hand halten konnte. Ich war im wahrsten Sinne eine Handkamera, manchmal aber legte er mich einfach in eine bestimmte Position auf den Tisch und ich verfolgte unbeweglich das leidenschaftliche Geschehen. So gern ich ihre nackten Körper betrachtete, stieß ich immer wieder auch auf jene Kleinigkeiten wie ihre roten Fingernägel, die jetzt über ihr Hinterteil wanderten oder seine zahlreichen winzigen Muttermale an den Beinen, mit denen er mittlerweile hinter ihr kniete und sie von hinten nahm wie eine Hündin. Zwischen meine Bilder schob sich bisweilen der Schwall seiner und ihrer Gedanken, den ich merkwürdigerweise hören konnte, und der war um einiges vielsagender als das, was neben dem Stöhnen aus ihren Mündern kam. Ihr Mund war ja sowieso oft mit anderem gefüllt:
er will mich natürlich von hinten  alle männer haben wohl diese obsession uns zu hündinnen machen zu wollen unterwürfig sollen wir sein auf den knien rutschend doggy-style nennen die das selbst die sprache soll uns verniedlichen endlich dreht sie sich mal herum dass ich ihre gut gepolsterten weichen und glatten hüften mit zwei händen begierig streicheln kann und ihr arsch erst nichts sehe ich lieber als wenn sich mein fleischiges etwas langsam und genussvoll in sie hineinbohrt mein schwanz als colt eine rakete vor dem abschuss solche bildvergleiche sind mir doch egal ich weiß nur dass ich jeden zentimeter meiner gleitenden bewegungen auskoste aber so einfach ist das alles nicht manchmal wollen wir genommen und manchmal nur gestreichelt werden das fühlt sich im ersten moment immer komisch an wenn sich so etwas fremdes in deinen körper schiebt aber dann kann man sich doch nicht gegen dieses kitzelnde sich steigernde prickeln wehren immer dieses schnelle rammelnde rein-und-raus ich bin doch keine häsin aber so sind die männer größe und geschwindigkeit jetzt will ich sie mal schneller und kraftvoller stoßen die brauchen das hart rangenommen zu werden je willenloser desto besser nur immer mehr immer mehr das steigt und wächst und dann die volle Ladung endlich mal ausleben austoben was da raus muss sie will mir wohl zu verstehen geben ich soll so weiter machen und auf gar keinen fall aufhören jetzt nicht wo alles läuft wie geschmiert man muss ihnen schon die illusion lassen lust ließe sich so eins zu eins übertragen auch wenn es dann doch leider meist nur ihre eigene bleibt lassen wir ihn ein wenig Macho spielen sie mögen das dass sie immer gleich so übertreiben müssen vielleicht liegt es auch an mir ihm das zu sagen manchmal ist weniger mehr wann begreifen die das endlich ich muss mich jetzt wie eine gleichgültige Maschine bewegen ich will dass sie kommt und ich weiß dass es nur eine frage ihrer überwindung ist ob sie sich vollkommen gehen lässt nur auf die gleichmäßigen stöße konzentrieren als wäre ich eines der räder einer alten dampflokomotive soll sie nur verzweifelt stöhnen dieses lauter werdende betteln das aus ihr herausbricht macht mich nur noch mehr an jetzt kommen die kleinen kunststückchen meinetwegen da mache ich jetzt gute Miene zum bösen spiel sie rammeln wirklich wie die hasen das stöhnen darf ich nicht vergessen sie sind ja so leichtgläubig glauben was sie glauben wollen am ende können sie eh nichts machen sklaven der eigenen lust ich mag diese kleinen spitzen schreie da sind sie so hilflos und mädchenhaft ich glaube wenn sie kommen zieht sich ihr becken einige male rhythmisch zusammen meine ich zumindest mal gespürt zu haben wer weiß schon was in ihnen wirklich vorgeht richtig rannehmen muss man sie ob sie wollen oder nicht sie ist jetzt ganz offen für mich fühlt sich weit und nass an ich spucke mal auf meine hand und verteile ein bisschen speichel mit den fingern zwischen ihren beinen und auf mir selbst dass sie einfach nicht aufhören können zum schluss kommt dann das milchige gesichtsmake-up dieses spiel von früher mit ihren wasserpistolen ob sie das so toll fanden wenn sie von ihren spielkameraden nass gespritzt wurden aber wenn er das gut findet ich will ja kein spaßverderber sein ich werde ihn immer tiefer hineingleiten lassen die liegt ja wie eine weit geöffnete wunde vor mir ich möchte mit ihr machen was ich will sie beißt die zähne zusammen gut so ich tue ihr wohl etwas weh mit meinem dicken pfahl aber in meiner erregung wirke ich auf sie auch wie verloren das mögen die das ist ihre macht über unsere lust die sie auch fasziniert sie lässt mich gewähren jetzt lasse ich ihn wieder aus ihr heraus gleiten und versuche ihn ohne die hilfe meiner hände seinen weg zurück finden zu lassen man muss sich selbstvergessen in ihnen verlieren mein lächeln wirkt wohl etwas schief ich sollte mehr darauf achten auch auf meine kosten zu kommen aber ein deal ist das ganze ja schließlich auch nicht erst mal abwischen ach irgendwie ist er natürlich auch ganz lieb sonst läge ich schließlich nicht hier etwas besudelt komme ich mir aber schon vor ich konnte mich nicht mehr zurückhalten sie soll in meinem saft schwimmen naja ein bisschen länger hätte er schon durchhalten können
Also wenn sie mich fragen, finden diese Kopulationen sowieso im Kopf statt oder eben auch nicht. Trotz der intimsten Nähe leben sie die meiste Zeit wie Leuchttürme auf verschiedenen Inseln. Niedlich, diese menschlichen Exemplare, wie sie sich auf der Jagd nach Lust ihre Lebendigkeit beweisen. Wie der Schweiß in ihren Körperkuhlen glänzt, in welcher Ekstase sie ein Miteinander suchen, dem ihr Geist ständig hinterher läuft. Mag sein, dass mein Metall mit ihren Körpern nicht mithalten kann, aber ich beneide sie nicht. Bei aller Leichtigkeit sind sie auch zu zweit oft einsam.
Sie hatten schließlich das übliche Ejakulationsende gefunden und der Mann deckte etwas Schwarzes über mein einziges Auge, trennte mich vom einzigen Fluidum, in dem ich existieren kann, den Partikeln des Lichts und den Stromkreisen knisternder Elektroden. Für mich hatte also das allumfassende Licht der Welt aufgehört zu existieren, und damit die Welt selbst. Kein farbenprächtiges Prisma brach sich mehr in meinen Spiegeln, denn ich bin das reine Sehen, in mir fließt Licht anstelle des Blutes. Man kann mich also ausschalten, dachte ich noch überrascht, während ich wieder in jene stumme Dunkelheit versank, in jenes grenzenlose Vergessen, als sei nie etwas geschehen und als hätte ich nie etwas gesehen. Ach, wenn ich doch sprechen könnte und nicht nur sehen, ich würde zumindest den Versuch gemacht haben, mich über diese Einseitigkeit zu erheben, um Ihnen diese Episode aus meinem kurzen Leben zu erzählen, denn wo sich das Wort mit der Phantasie verbindet, scheint mir eine Art ewiges Licht zu leuchten.

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