Jean Renoir: Das intime Tagebuch des Capitaines Georges

Damals wohl ein Bestseller (1968) bin ich erst viel später auf diesen Roman gestoßen. Alle kennen den Regisseur Renoir und seinen berühmten Vater, den Maler Auguste Renoir. Dass es auch Romane von ihm gibt wusste ich nicht. Der Titel lässt natürlich an sexuelle Bekenntnisse denken und das Sujet, die Liebe eines Offiziers zu einer Prostituierten vom Lande, verstärkt diese Vermutung. Ja es gibt auch durchaus sexuell freizügige Äußerungen im Buch, aber diese Kategorie wird dem Roman in keiner Weise gerecht. Haben Sie englischen Humor und sind auch nur ein bisschen romantisch? Obwohl der Erzählstil eher realistisch ironisch ist, erzählt Renoir eine traurig schöne Liebesgeschichte. Elegant in eine Rahmenhandlung verpackt, auf köstliche Weise von Hunderassen und Liebhabern erzählend, erwähnt der Text auch das Verhältnis von Agnes zu Tieren:

“Sie machte keinen Unterschied zwischen Tieren und Menschen. Ich möchte sagen, sie hat keinen Sinn für eine hierarchische Ordnung besessen. In ihren Augen war ein Mensch einem Frosch nicht überlegen, der wiederum nicht geringer war als ein Elefant. Ihre Beschäftigungen sind verschieden, weiter nichts. Nach ihrem Tode werden sie sich alle im Himmel wiederfinden, wo – wie sie keinen Augenblick lang bezweifelte – die Tiere mit dem gleichen Recht Zutritt erhalten wie die Menschen.”

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