Roberto Bolaño: Der unerträgliche Gaucho

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Ein weiterer Band mit fünf Erzählungen und zwei Vorträgen Bolaños. Sie sind eine Essenz oder auch eine guter Einstieg für seine großen Romane, von denen ich schon “Die wilden Detektive” und “2666” empfohlen habe. Nach dem Erzählungsband “Telefongespräche” sind dies nun seine letzten, erst posthum 2003 veröffentlichten Erzählungen und man merkt ihnen die Schonungslosigkeit der Todesnähe an. Erzählungen, die der existentialistischen Frage, was es eigentlich heißt, Mensch zu sein, verstörend auf den Grund zu gehen versuchen. Ist die Spezies Mensch mit der Soziologie der Ratten vergleichbar? Kann das Wunder des Glaubens gleichzeitig Mord und geisteskrankes Verbrechen sein? Bolaño erzählt scheinbar leichtfüßig von schweren Dingen und wir Leser müssen unsere Antworten selbst finden: zu Literatur, Sexualität, Krankheit, Schuld und Tod. Aber es sind auch viele politische, philosophische und literarische Standortbestimmungen durch klare oder weniger klare Äußerungen zu entdecken. Ein Buch, das Eindrücke von der Befindlichkeit eines großen Schriftstellers gibt, der uns grüßt, “auf dem Rücken eines Esels”, “da wo ein Gerippe Langeweile hat”, “Comala¹ in Sicht, die Stadt des Todes.”

¹ Hier bezieht sich Bolaño wohl auf den Roman “Pedro Páramo” von Juan Rulfo  

“Wir sind die zaghaften, bedächtigen Mörder. Wir halten unser Gehirn für ein Mausoleum aus Marmor, obwohl es in Wahrheit ein Kartenhaus ist, eine Baracke, irgendwo zwischen freiem Feld und endloser Dämmerung.”

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