Krankenhausminiaturen

Rembrandt_The_Anatomy_Lesson

Die Chirurgen bei der Visite
Hoher Besuch tritt in Person des Chef- und seines Oberarztes an das Krankenhausbett. Sie beratschlagen über die beste Operationsmethode, minimalinvasiv oder konventionell langer Schnitt. Der Oberarzt mit seiner zweitausendfachen OP-Erfahrung befürwortet das Letztere, je mehr Überblick, desto besser, man muss schließlich gut an das Herz herankommen. Das Brustbein wird schon wieder zusammenwachsen, wie immer, wo ist das Problem. Der Patient bittet kleinlaut um möglichste Schonung, ihn scheint schon jetzt eine narkoseartige Zurückhaltung und Schockstarre befallen zu haben. Da fixiert der Chefarzt seinen Patienten plötzlich,  als müsse er blitzartig eine Röntgenaufnahme von Körper und Psyche gleichzeitig machen. Was ist der Kern, das Wesentliche dieses neuen Patientengegenübers? Er versucht zu ergründen, ob dessen Welt seinem Eingriff standhalten wird. Der dabei oberflächlich eiskalt wirkende Blick des Chirurgen ist so glasklar und ruhig, als könne man alle Hast der Welt hineinwerfen. Sich seines entschlossenen Handelns gewiss, gibt ihm dessen unausweichliche Notwendigkeit die eigentliche innere Stärke. Der weiße Kittel des Professors kennt kein Zögern, nur aufrechte Haltung und Festigkeit. Doch vom Grund dieses Eismeeres strahlt bei aller Entschiedenheit dennoch eine helle, unerschütterliche Freundlichkeit. Ein menschliches Brustbein zersägen zu können, ist noch kein Indiz für teilnahmslose Kälte.
Beschreibung eines Aufenthaltsraums
Das Buchregal an der Wand sieht traurig aus mit seinen ausgesonderten Büchereiexemplaren und den schon abgegriffenen, zerschundenen Romanen und Sachbüchern. Sie scheinen zum Teil bereits Jahrzehnte an nicht immer sorgsamen Standorten und in dergleichen Fingern verbracht zu haben. Ein Spiegel über einem Waschbecken vor gelben Fliesen wirft den trostlosen Raum an seine Insassen zurück. Daneben mehrere gestapelte Kisten des obligatorischen stillen Wassers oder dessen einzig vorhandener Variante Medium. Die große, helle Fensterfront aber bietet einen schönen Ausblick auf den Kanal hinter diesen Gebäudetrakten. Man blickt nach unten auf das langsam fließende Wasser durch das baumbestandene Grün der beiden Ufer. Ein metallener Servierwagen in der Ecke fordert zum Zubereiten von Tee und Kaffee für die Patienten auf. Spartanische Tische und Stühle, die Tische mit glatter Kunststoffoberfläche, die Stühle sanft-rot mit glänzenden Metallbeinen. Ein dreisitziges, tiefes Sofa lädt zu einer Bequemlichkeit ein, die irgendwie unangebracht wirkt. Man wartet mit angespanntem Gesichtsausdruck auf medizinische Nachrichten nicht immer vorteilhafter Art. Dieser Raum bemüht sich um eine gemütlichere Atmosphäre, die er aber nie haben wird.
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