Miniatur 1: Im Büro – Der Ausschnitt

“Auf der anderen Seite der Welt “ ist nun bis S. 170 gelesen, aber die Leseeindrücke noch nicht endgültig fixiert. Deshalb heute im Rückblick eine erzählerische Miniatur, die ich als Kommentar zu einem Foto auf den Schienensträngen der Gleise von “Melusine” hinterließ, auf denen sie ständig in neue Erkenntnisrichtungen fährt. Auch dies Foto (von einer Frau fotografiert!) fängt den männlichen Blick, zu dem Frauen nun einmal den Schlüssel haben und mit dem sie selbst bei ihren Arbeits- und Leseposen gekonnt zu spielen weiß.

Anaistheninja We see things not as they are but as we are.
                                                (Anaïs Nin)

Picture via “Anaïs et le Ninja Diaries

Der Ausschnitt

Eins war sicher, ich war verliebt in die Dame. Beide saßen wir in dem relativ großen Büro und unsere Schreibtische standen nicht weit auseinander. Heute trug sie wieder so einen Pulli, der einen weiten Ausschnitt hatte. Ein Anziehungspunkt, den das männliche Begehren, also meins, kaum ignorieren konnte. Beugte sie sich etwa sogar mit Absicht herausfordernd nach vorn? Sollte ich wie eine Fliege meiner Lust auf den Leim gehen? Oder war nur meine Phantasie ständig dabei, von der Hose in den Kopf zu steigen. Es half nichts, ich konnte mich dem Magnetismus des weiblichen Oberteils nicht entziehen. Beiläufig unauffällig schaute ich natürlich rein zufällig immer in ihre Richtung, wenn sie sich nach vorn beugte. Unwiderstehlich was dort in diesen zarten Rundungen verborgen zu sein schien. Mein Blick versuchte immer tiefer in das leidlich Verborgene vorzudringen und dabei möglichst nicht erwischt zu werden. Als Lüstling oder Voyeur wollte ich im Ansehen der Kollegen nicht enden. Aber so gut ich es auch zu cachieren versuchte, später klärte mich die Angebetete unmissverständlich darüber auf, dass sich alle anderen im Büro köstlich amüsiert hätten, mit welcher offensichtlichen Hilflosigkeit ich mein verschämtes Verlangen zu verbergen gesucht hatte.

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