Jean Yves Tadié: Marcel Proust

Den “Meilenstein der Proust-Biografik” habe ich erst angelesen. Die “Biographie des Werkes” zu schreiben ist die einzig sinnvolle Aufgabe für eine Biografie über Marcel Proust. Es ist ein wirklich umfangreiches Buch mit seinen 1266 Seiten und “man wird kein einziges Faktum ohne Bedeutung lesen und kaum Fakten, die nicht in Prousts Werk einfließen.” Sich an das Werk zu halten scheint mir der richtige Ansatz, nicht an die zahlreichen Erörterungen über seine Homosexualität, für jede Figur des Romans eine Entsprechung im Leben zu suchen, wie langweilig. Und wie aufregend dagegen den Sinn seiner Fiktion, seines Inneren zu entschlüsseln. Ich werde den ganzen Band noch lesen, aber ich weiß jetzt schon, dass der noch so geistreichste Satz des ”wohl besten Kenners und wichtigsten Herausgebers des Gesamtwerkes” nicht “die Lektüre Prousts ersetzen kann und das beabsichtigt diese wichtige Biographie ja auch nicht.“ Proust hat alles aus seinem Leben wiederverwendet, aber er war auch ein Meister des Verschlüsselns und Versteckens. Wie viele Kommentatoren haben schon nach dem gelben Mauerstück in Vermeers “Ansicht von Delft” gesucht, dabei existierte es wohl gar nicht auf dem Bild selbst, sondern im Kopf Marcel Prousts, in seiner Erinnerung. Ist es nicht unwichtig auf welchem Gemälde wir das Gelb Vermeers bewundern? Diese Biographie ist sehr gründlich und akribisch, also nicht unbedingt etwas für Einsteiger, da gibt es leichtere Ansätze…
Rezension: http://www.glanzundelend.de/Artikel/proust.htm
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